Dokumentation „Weiterbildungsbedarfe“ - 29.08.2023

Köln

Zielsetzung

Das dritte Treffen des Teams “Weiterbildungsbedarfe und Qualifizierungsformate” widmete sich den Weiterbildungsbedarfen, die durch die Veränderungen in der Automobil- und Zulieferindustrie und benachbarter Branchen entstehen. Durch Impulse zu aktuellen Trends und Studien, Erfahrungsaustausch sowie einem Workshop zu benötigtem Transformationswissen wurden die Bedarfe der Branche ausgelotet und intensiv diskutiert. Ein Praxisbericht zum Transformationsprozess bei Ford in Köln gab Einblicke aus erster Hand in die Herausforderungen und Erfolge bei der Qualifizierung der Beschäftigten. Zudem wurden Prototypen einer Datenbank für relevante Weiterbildungsangebote (Weiterbildungslandkarte) und einer TrendAuto-Themenlandkarte vorgestellt. Beide dienen der Transparenz und Identifizierung von Lücken im Angebotsspektrum und Bedarfen von Seiten der Unternehmen.

Impulsvorträge

Praxisbericht "Transformationsprozess bei Ford"

Panagiotis Kalandranis, Transformationsmanager bei Ford, berichtete vom aktuellen Transformationsprozess bei Ford. Im Zuge der Umstellung auf die Fertigung von Elektrofahrzeugen wurden Fahrzeugfertigung, Zuliefererpark und Komponentenfertigung komplett neu aufgesetzt. Der Automatisierungsgrad hat sich deutlich erhöht, neue Roboter unterstützen in der Produktion und alle Mitarbeitenden sind künftig mit Tablets ausgestattet. Dadurch steigen die Anforderungen an die einzelnen Beschäftigten. Um dem neuen Bedarf gerecht zu werden, wurden u.a. Trainingspläne für 15 spezifische Jobprofile entwickelt, neue Lernmethoden getestet und rund 400 Hilfskräfte zu Fachkräften mit IHK-Abschluss weitergebildet.

Wichtige Erkenntnisse aus diesem Prozess sind:

  • die Beschäftigten von Beginn an im Prozess einbinden
    (Visions-Workshops, begleitende Arbeitsgruppen, Info-Stände in den Produktionshallen etc.)
  • wo immer möglich, interne Trainer nutzen → höhere Akzeptanz in der Belegschaft
  • alle Trainingspläne beginnen mit einem nicht-technischen Modul
    (z.B. Deutsch, Mathe, Sprachkompetenz, Kommunikation)
  • Trainingspläne modular konzipieren → individuelleres Training und flexible Kombination
  • mit einzelnen kleinen Projekten beginnen und daraus lernen
    (Erfahrungen aus Mini-Projekt 2018 → Basis für großen Umbau 2022/23)
  • Finanzielle Unterstützungs-Möglichkeiten durch Qualifizierungschancengesetz nutzen
  • Pyramiden-Qualifizierung → Multiplikatoren und interne Trainer zuerst
  • Motivation schlägt formale Vorqualifizierung → entscheidend für den Weg von der Hilfskraft zur Fachkraft mit IHK-Abschluss
  • Hindernisse/ Hürden feststellen → ernstnehmen, Lösungen erarbeiten, neue Formate ausprobieren

Impuls "Relevante Studien zu aktuellen, mittel- und langfristigen Weiterbildungsbedarfen in der Automobil- und Zulieferindustrie"

Die Frage, welche Kompetenzen aktuell und in der Zukunft für die Beschäftigten der Automobil- und Zulieferindustrie der Region gefragt sind, ist wichtig für die Entwicklung bedarfsgerechter Qualifizierungsangebote. Der Impuls beleuchtete die Ergebnisse relevanter Studien, die seit 2021 mit Fokus auf die Automobil- und Zulieferindustrie veröffentlicht wurden.

Einer der Vorreiter ist die AgenturQ aus Baden-Württemberg, die bereits 2021 erfolgskritische Kompetenzen für die Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg erarbeitet hat. Im gleichen Jahr 2021 hat die Denkfabrik Digitale Arbeitsgesellschaft zukünftige Kompetenzprofile für die Automobilwirtschaft untersucht und dabei den Blick bis ins Jahr 2030 geweitet. Ergebnis: die Berufsbilder werden interdisziplinärer und komplexer. Neun dieser möglichen Berufsbilder werden detailliert vorgestellt.

Welche Technologien bereits am Arbeitsplatz angekommen sind, wurde jüngst in Zusammenarbeit mit Volkswagen untersucht (Pfeiffer 2023). Die Ergebnisse der Studie zu den Kategorien ‘Digitale Transformation – Industrie 4.0’, ‘Digitale Transformation – IT’ und ‘Ökologische Transformation’ (neue Antriebstechnologien) zeigen deutliche Unterschiede je nach Abteilung im Unternehmen. In einigen Unternehmens-Bereichen gibt es nach wie vor keine Berührung mit diesen Themen.

Eine der jüngsten Veröffentlichungen (Juli 2023) widmete sich im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung ausführlich den beruflichen Übergangspfaden in der Automobil- und Zulieferindustrie in Baden-Württemberg. Darin geht es um die Frage, wie der Übergang zu zukunftsfähigen Berufen konkret gestaltet werden kann. Als Ergebnis werden jeweils fünf mögliche Übergangspfade für fünf gefährdete Berufsgruppen skizziert. Im Impuls werden exemplarisch die Wege “Seitenwechsel” (Expertenniveau) und “Aufstieg durch Ausbildung” (von der Hilfskraft zur Fachkraft) beleuchtet.

Wie der konkrete Kompetenzbedarf in Unternehmen und Organisationen ermittelt werden kann, wird im Fraunhofer-Kompetenz-Kompass aus dem Jahr 2022 beschrieben. Erfolgskritisch ist die Anbindung der Kompetenzentwicklung an die Unternehmensstrategie. Lesenswert ist zudem das im Mai 2023 erschienene Diagnosepapier des neu berufenen Expertenkreises Transformation der Automobilwirtschaft (ETA) zu Beschäftigungseffekten und Qualifizierungsbedarfen in der Automobilwirtschaft.

 

 

Quellen:
Agentur Q (2021): Future-Skills. Welche Kompetenzen für den Standort Baden-Württemberg heute und in Zukunft erfolgskritisch sind. Online verfügbar unter https://www.agenturq.de/unsere-konzepte/konzepte-fur-die-betriebspraxis/konzept-future-skills/

Bertelsmann-Stiftung (2023): Berufliche Übergangspfade in der Automobil- und Zulieferindustrie in Baden-Württemberg – Studie. Online verfügbar unter https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/publikation/did/berufliche-uebergangspfade-in-der-automobil-und-zulieferindustrie-in-baden-wuerttemberg,

Bertelsmann-Stiftung (2023): Berufliche Übergangspfade in der Automobilindustrie – Zusammenfassung. Online verfügbar unter https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/publikation/did/auf-den-punkt-berufliche-uebergangspfade-in-der-automobil-und-zulieferindustrie-in-baden-wuerttemberg

Denkfabrik Digitale Arbeitsgesellschaft (2021): Zukünftige Kompetenzprofile für die Automobilwirtschaft. Online verfügbar unter https://www.denkfabrik-bmas.de/fileadmin/Downloads/Publikationen/Deep_Dive_Zukuenftige_Kompetenzprofile_fuer_die_Automobilwirtschaft.pdf

ETA Expertenkreis Transformation der Automobilwirtschaft (2023): Diagnose der Beschäftigungseffekte und Qualifizierungsbedarfe in der Automobilwirtschaft. Online verfügbar unter https://expertenkreis-automobilwirtschaft.de/media/pages/home/8664a12ace-1684314992/expertenkreis-transformation-automobilwirtschaft_diagnosepapier_beschaeftigung.pdf

Fraunhofer IAO (2022): Vorgehensweise zur Kompetenzbedarfsermittlung in Organisationen. Online verfügbar unter https://publica-rest.fraunhofer.de/server/api/core/bitstreams/af7ff6f9-feee-4015-823b-49826af0b20e/content

Pfeiffer, Sabine (2023): Die doppelte Transformation in der Automobilindustrie. Welche Technologien am Arbeitsplatz aktuell angekommen sind. In: WSI 76 (4), S. 296–304. DOI: 10.5771/0342-300X-2023-4-296. Online verfügbar unter: https://www.nomos-elibrary.de/10.5771/0342-300X-2023-4-296/die-doppelte-transformation-in-der-automobilindustrie-jahrgang-76-2023-heft-4?page=1

Stifterverband / McKinsey (2021): Future Skills 2021. 21 Kompetenzen für eine Welt im Wandel. Diskussionspapier 3. Online verfügbar unter https://www.stifterverband.org/medien/future-skills-2021

Workshop "Aktuelle Ergebnisse und Trends aus dem Themenfeld 'Agilität und Transformationspotenziale' - Implikationen für Weiterbildungsbedarfe“

Beim Team ‘Weiterbildungsbedarfe und Qualifizierungsformate’ werden regelmäßig Ergebnisse der anderen TrendAuto-Themenfelder vorgestellt, um daraus Weiterbildungsbedarfe abzuleiten. Diesmal war das Team “Agilität und Transformationspotenziale” zu Gast. Der Impulsvortrag von Theresa Wobbe stellte die beiden Themenfelder ‘Organisationale Agilität’ und ‘Szenario-Technik’ vor. Dabei ermöglichen insbesondere die sogenannten ‘Dynamischen Fähigkeiten’ (Dynamic Capabilities’) die dauerhafte und nachhaltige Steuerung von Veränderungsprozessen. Diese fördern Innovationen und schaffen Wettbewerbsvorteile in Unternehmen.

Die Szenario-Technik zielt auf die Entwicklung von plausiblen Szenarien in einer möglichen Zukunft ab. Sie kann insbesondere in einem dynamischen Umfeld mit einer Vielzahl von Faktoren angewendet werden und schafft auch unter unsicheren Rahmenbedingungen Klarheit in der Produktplanung der Unternehmen. Dadurch trägt sie zu einer robusten strategischen Produktplanung bei.

Im anschließenden Workshop ging es um die Ableitung der erforderlichen Kompetenzen für die Anwendung von Transformationswissen und die Umsetzung in Unternehmen. Folgende Leitfragen wurden bearbeitet:

  1. Welche Kompetenzen sind für die Anwendung des Transformationswissens erforderlich?
  2. Für welche Mitarbeitendengruppen sind die Kompetenzen relevant?
    Welche Qualifizierung ist erforderlich? Welche Weiterbildungsformate sind zielführend?
  3. Welche weiteren Handlungsbedarfe im Bereich Transformationswissen existieren?

Nächste Schritte und Ausblick

Das nächste Treffen widmet sich dem Thema „Bedarfsgerechte Qualifizierungs-Formate“. Dabei wird es unter anderem um passende Formate für unterschiedliche Zielgruppen gehen. Ein Schwerpunkt wird auf Wunsch unserer Teilnehmenden auf digitalen Lehr-/ Lernformaten liegen. Impulse zu aktuellen Trends und innovativen Formaten, Praxis-Beispiele aus Unternehmen, viel Raum für Austausch und die Ableitung eigener Ergebnisse für die Region in interaktiven Workshops runden den Tag ab. Detaillierte Inhalte und die Agenda stehen in Kürze fest.

Ein Einstieg in unser Themenfeld ist jederzeit möglich. Zu Beginn eines jeden Treffens werden alle Teilnehmenden auf den Stand der Dinge gebracht. Neue Erkenntnisse, Trends, Praxisberichte, Qualifizierungsbedarfe und Impulse aus dem Konsortium und den anderen Teams fließen bei jedem Termin mit ein. Beiträge und Informationen aus dem Kreis der Teilnehmenden sind jederzeit willkommen.

Sie haben Interesse? Dann kontaktieren Sie uns gerne!

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Dr. Elke Nickel

elke.nickel@th-koeln.de

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