Unternehmensbesuch Vollmann Group:
“Von der Idee zur Intelligenz”

09.06.2026

Remscheid

Zielsetzung

Am 9. Juni 2026 fand bei der Vollmann Group, N.I.E.R. Stanz- und Umformtechnik GmbH & Co. KG in Remscheid der zehnte Workshop der Arbeitsgruppe „Entwicklungssystematik und kollaboratives Arbeiten“ statt. Die Teilnehmenden beschäftigten sich damit, wie KI und Open-Source-Technologien ganz konkret in industriellen Prozessen eingesetzt werden können, ohne großen Umweg über Theorie.

Im Mittelpunkt stand ein reales Problem des Gastgebers: Obwohl die verarbeiteten Werkstoffe der Norm S650MC entsprechen, kommt es in der Produktion immer wieder zu erhöhten Ausschussraten. Der Workshop zeigte, wie sich solche Auffälligkeiten mithilfe von KI frühzeitig erkennen lassen. Angefangen beim automatisierten Auslesen von Werkstoffzeugnissen aus PDFs über die Aufbereitung einer einheitlichen Datenbasis bis hin zum Training eines Modells zur Anomalieerkennung in Legierungszusammensetzungen wurde der gesamte Prozess praxisnah durchlaufen. Eine Führung durch die Produktionsanlagen rundete den Tag ab und machte den praktischen Nutzen der vorgestellten Ansätze direkt erlebbar.

Leitfragen

  • Welche konkrete Herausforderung hat die Vollmann Group am Stardort Remscheid im Umgang mit variierenden Materialeigenschaften und deren Auswirkungen auf die Produktion?
  • Wie lassen sich Daten aus unterschiedlich strukturierten (auch gescannten) PDFs automatisiert extrahieren und nutzbar machen?
  • Wie können auf Basis dieser Daten KI-Modelle eingesetzt werden, um Anomalien in Materialzusammensetzungen frühzeitig zu erkennen?

Der Prozess: Von den Daten zum KI-System

Ein zentrales Problem dabei: Die relevanten Materialdaten lagen bislang nur in einzelnen Werkszeugnissen vor und waren nicht strukturiert auswertbar. Fehler wurden dadurch meist erst durch Ausschuss oder Reklamationen sichtbar.

Der Workshop führte die Teilnehmenden Schritt für Schritt durch den gesamten Prozess, von den Rohdaten bis zum fertigen KI-Modell. Zunächst wurden die Werkszeugnisse von rund 100 Materialchargen automatisiert ausgelesen – mithilfe einer Pipeline, die Textextraktion, OCR und ein lokal betriebenes Sprachmodell kombiniert. Die extrahierten Werte wurden in einen strukturierten Datensatz überführt und anschließend statistisch analysiert, um Unterschiede zwischen unauffälligen und problematischen Chargen sichtbar zu machen. Auf dieser Basis wurde ein Random-Forest-Klassifikator trainiert, der aus den chemischen und mechanischen Kennwerten einer Charge lernt, ob ein erhöhtes Qualitätsrisiko besteht. Da fehlerhafte Chargen in den Daten deutlich seltener vorkommen als fehlerfreie, wurde der F1-Score als Bewertungsmaßstab gewählt und das Modell per Leave-One-Out-Kreuzvalidierung geprüft.

Workshop Ergebnisse

Falls Sie die Inhalte nochmal nachvollziehen möchten, stehen Ihnen unter folgendem Link das Colab-Notebook und die Trainingsdaten zur Verfügung. Das Notebook führt Schritt für Schritt durch den gesamten Prozess, von der Datenanalyse über den Vergleich verschiedener KI-Modelle bis hin zum interaktiven Einzelchargen-Check. Melden Sie sich einfach mit einem Google-Konto an, erstellen Sie eine Kopie der Datei und arbeiten Sie die Schritte durch, ganz ohne Installation oder Vorkenntnisse.

Fazit und Take-aways für die Unternehmen

Langfristig könnte das Modell direkt im Wareneingang eingesetzt werden: Neue Materialchargen würden automatisch bewertet und potenzielle Risiken frühzeitig erkannt, bevor es überhaupt zum Einsatz in der Produktion kommt. Das würde nicht nur Ausschusskosten senken, sondern auch dazu beitragen, bestehendes Erfahrungswissen systematisch zu dokumentieren und für zukünftige Entscheidungen nutzbar zu machen. Der Workshop machte dabei deutlich, dass solche Projekte keine reine IT-Aufgabe sind: Auch Fachkräfte ohne Programmierhintergrund können aktiv mitwirken, wenn sie ein grundlegendes Verständnis von Daten und KI-Methoden mitbringen. Entscheidend ist letztlich nicht das Tool, sondern ein klar definiertes Problem, eine belastbare Datenbasis und ein schrittweises Vorgehen.

Sie haben einen konkreten Anwendungsfall oder sind sich unsicher? Dann sprechen Sie unsere Experten an.

Bild von Martin Stock
Martin Stock

martin.stock@th-koeln.de

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Martin de Fries

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